„Die teure Würdige Mutter hatte für unser Mutterhaus in Paderborn bestimmt, dass niemals ein Armer entlassen werden dürfe, ohne ein Almosen empfangen zu haben. Falls wir nicht im Stande wären, ihm das Gewünschte geben zu können, solle er sonst etwas haben, sei es auch nur ein Stück Brot. Die Armen hingegen wussten aus Erfahrung, dass sie in ihren Anliegen bei der Würdigen Mutter stets ein geneigtes Gehör fanden, weshalb sich auch immer sehr viel Notleidende mit den verschiedensten Bitten an der Pforte einfanden. Verschiedene Kranke und alte Leute erhielten eine Reihe von Jahren hindurch das Mittagessen aus dem Kloster. Zudem wurden täglich etwa 30 bis 40 Arme an der Pforte gespeist, und es war unsere Mutter eine sehr große Angelegenheit, dass die lieben Armen immer recht gutes Essen erhielten, sauber und gut bedient wurden und im Winter auch im Warmen sein konnten. Immer wieder sagte sie uns in ihrer Güte, dass wir in den Armen den lieben Heiland selbst uns vorstellen sollten. Sie grüßte die Armen auch stets mit einer sehr ehrfurchtsvollen Verneigung.

 

Ein Bettler, der sein Nachtlager in einer Schäferhütte hatte, war jedes Mal hocherfreut, wenn Würdige Mutter des Weges kam und er ihren Gruß empfing. So eine Dame, meinte er, gebe es in der Welt nicht mehr, die einen armen Bettler so freundlich grüßte.“

Mutter Pauline hat immer ein Auge für die „Kleinen“. Von der beschwerlichen Reise mit dem Schiff nach Chile im Jahre 1879 wird berichtet: „Den Passagieren der zweiten und dritten Klasse ist es nicht gestattet, auf den Platz der ersten Klasse zu kommen. Würdige Mutter aber, die den ganzen Tag auf dem Verdeck weilt, hat mit einem kleinen, barfüßigen ‚Schmierläppchen’, einem Kinde portugiesischer Auswanderer, das, während die Passagiere der ersten Klasse bei Essen sind, vom Zwischendeck auf das erste Verdeck spazierte, gute Freundschaft geschlossen. Nun ist es ganz rührend zu sehen, wie Würdige Mutter von den paar Bröckchen, die ihr heraufgebracht werden, noch immer etwas für ihren kleinen Schützling erübrigt.“ (Aus der Chronik)

 

Die 10jährige Pauline betet den Kreuzweg

Der Mutter von Pauline ist es ein großes Anliegen, die Kinder in der katholischen Religion zu erziehen. Mit Rücksicht auf die Religionszugehörigkeit des Vaters zum Protestantismus geschieht dies mit feiner Zurückhaltung. Pauline ist sehr aufgeschlossen für Glaubensfragen und zeigt schon früh große Liebe zum Gebet.

An einem Karfreitag will Pauline im Garten der Schule St. Leonard (Aachen) die den Schülerinnen vertrauten Stationen des Kreuzweges beten. Die Mutter aber wünscht, dass sie an diesem besonderen Feiertag des protestantischen Vaters zu Hause bleibt. Pauline fügt sich, denkt sich aber einen neuen Plan aus. Was auf den Stationsbildern in St. Leonard steht, weiß sie auswendig. Nach längerem Suchen findet die Mutter sie auf der Bodentreppe, deren Stufen sie kniend aufwärts steigt. Fragend schaut die Mutter sie an. „Ich bete den Kreuzweg“, flüstert die 10jährige Tochter ihr zu. Die Mutter ist betroffen. Sie ahnt, dass Gott in Paulines Leben eine ganz wichtige Rolle spielen wird.

(Aus: Sr. Agnes Schmittdiel, Pauline von Mallinckrodt)

 

Pauline, eine leidenschaftliche Tänzerin

Aus Briefen an ihre Großmutter

 

Am Samstag haben die guten Eltern einen Thée dásant gegeben, zu welchem über 150 Personen geladen waren. Wir sind bis gegen 2 Uhr zusammen geblieben, und Mathilde sowohl als ich haben keinen Tanz überschlagen, aber ich kann Dir versichern, dass meine Beine es am Sonntag auch verspürt haben. Den Cottillion tanzte ich mit Herrn Haid, den Hugo wohl von Antwerpen kennt, und dieser dachte, bald wieder dorthin zu gehen. (1831)

Verflossenen Winter bin ich, außer ins Theater, fast gar nicht heraus gewesen, aber in den Fastnachtstagen habe ich tüchtig geschwärmt und das Verlorene nachgeholt. Von allen Seiten sah ich Fastnachtsnarren, und ich konnte nicht allein ernsthaft bleiben. – Montag und Dienstag habe ich mich verkleidet, und zwei Abende hintereinander habe ich getanzt, doch nur bis gegen elf Uhr. In Borchen habet ihr gewiss den Karneval ganz ruhig zugebracht. (1832)

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