Aus der Chronik zur Marmorstatue der Muttergottes, die das Generalat beim Umzug 2017 von Rom nach Paderborn mitgebracht hat.

1931

Den reichlichen Spenden der Kinder und Wohltäter unseres Hauses verdanken wir den schönsten Schmuck unseres lieben Hauses, die schöne Marmor-Statue der Immaculata am Eingang des Hauses. Zwischen dem üppigen Grün der Palmen und dem Blumenbeet zu ihren Füßen hat sie das schönste Plätzchen, das wir ihr zu geben vermochten. Bevor die eigentlich Einweihung der Statue erfolgte, fand eine kleine Aufführung der Zöglinge statt, die natürlich im Rahmen des Muttergottesjubeljahres ganz marianisch gehalten war, zur Vorfeier und Einleitung des großen Titularfestes am 8. Dezember. Wegen der zahlreichen Gäste, der vielen lieben Freunde, Bekannten und Wohltäter, der Eltern und Angehörigen der Kinder, die in großer Zahl erschienen waren, musste die Rezitation dreimal stattfinden. Die kleine Darbietung war einerseits eine rechte Freude und Erholung für die lieben Gäste, andererseits für viele ein Weg und Antrieb zu rechter, inniger Muttergottesliebe. Alle Anwesenden waren vollauf befriedigt von den Leistungen unserer Kinder, angefangen von dem Schauspiel der Kleinsten, die in ihren himmelblauen Seidenkleidchen, beschützt und gestützt von ihrem Schutzengel, der lieben Gottesmutter ihre Gebete und Liedchen anboten, bis zu dem vollendet schönen Spiel, das ältere Schüler und Schülerinnen mit ihren Geschwistern im Verein auf Klavier, Violine und Violoncello darboten. Die reichlichen Offerten der Anwesenden setzten uns instand, die ganze Summe für die Statue sofort abzutragen. Am 8. Dezember vollzog ich die Feier der Einweihung. Ein tiefblauer Himmel lag über den römischen Gefilden. Die liebe Sonne bot alle ihre Kraft auf und sandte die herrlichsten Strahlen, um das Fest der größten Himmelskönigin im vollsten Glanze zu begrüßen. Nach einer kurzen Andacht und Segen mit dem Allerheiligsten zogen Priester, Messdiener und Anwesende nach draußen. Als sich der Vorhang hob und das Bild der Immaculata in seiner ganzen Schönheit zeigte, ging ein freudiges Staunen und Bewundern durch alle Herzen. Der Pfarrer hielt eine Ansprache, indem er die Schönheit des Kunstwerkes lobte, aus dem der tiefe Glaube des Künstlers spräche. Selbiger war anwesend und zu Tränen gerührt. Der hochwürdigste Herr Pfarrer betonte dann noch den Segen der Himmelsmutter für das ganze Haus und munterte die Kinder und Versammelten auf, ihrem Tugendbeispiel nachzufolgen.

10. März 1944

Zur Erläuterung: Am 10. März wurde Villa Paolina durch eine Bombe sehr stark getroffen. Zum Glück waren an dem Tag nur zwei Kinder gekommen. Vier Schwestern waren an dem Morgen nicht in Villa Paolina: Zwei Schwestern waren zum Campo Santo gefahren, zwei andere Schwestern hatten Dienst in einem Lazarett. Sie hatten also den Bombenangriff nicht erlebt. Die zurückgebliebenen Schwestern fanden nach dem Angriff eine Stätte der Verwüstung vor. „Je mehr man sich in das Haus hinein vorwagte, desto deutlicher erkannte man das ungeheure Ausmaß der Beschädigung. Die Turnhalle war an der zur Viale XXI Aprile zugekehrten Seite hin getroffen und die ganze Ecke war herausgerissen worden, so dass die beiden darüber liegenden Stockwerke in der Luft schwebten. Vor dem Haupttor hatte im Augenblick des Bombenangriffs ein mit Steinen beladener Wagen für Straßenbahnarbeiten gestanden, der einen Treffer erhielt. Die schweren Eisenteile des elektrischen Triebwagens und die Steine, die bis aufs Dach geschleudert wurden, haben viel Schaden angerichtet. Die Gartenumfriedung wurde eingedrückt. Die Marmorstatue der Unbefleckten vor dem Treppenaufgang war ganz wunderbarerwiese in diesem Regen von Stein und Eisen unversehrt geblieben, so dass die Leute von der Straße, selbst schlichte Arbeiter herbeieilten, um die Madonna zu grüßen. „Madonna mia, come hai fatto per salvarti dalle bombe?“ (Madonna mia, wie hast du dich vor den Bomben gerettet?) hörte man einen einfachen Mann sagen, und immer wieder warfen die Vorübergehenden der Madonna, die allein unversehrt inmitten der Trümmer stand, unter Tränen ihre Kusshändchen zu.“

Zum Jahr des geweihten Lebens schrieb Papst Franziskus an die Ordensleute, dankbar auf die Vergangenheit zu schauen, die Gegenwart mit Leidenschaft zu leben und die Zukunft mit Hoffnung zu ergreifen.(vgl. Apostolisches Schreiben Seiner Heiligkeit Papst Franziskus, 21.11.2014)

Der Blick in die Vergangenheit bedeutet ein Stück Vergewisserung, uns ebenso den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft mit Hoffnung und Zuversicht stellen zu können wie all jene Schwestern, die uns vorausgegangen sind. Erinnerung um der Zukunft willen!“ (Sr. Anna Schwanz)

  • 21. August 1849 – Pauline von Mallinckrodt empfängt mit drei Gefährtinnen das Ordenskleid in der Busdorfkirche zu Paderborn. Der Bischof verleiht der Kongregation den Namen: Schwestern der Christlichen Liebe. Haupttätigkeitsfelder gemäß den Erfordernissen der Zeit: Erziehung und Bildung blinder Kinder, Mädchenbildung, Sorge für Waisen und für Kranke.

  • Bis zum Kulturkampf (Beginn 1871) breitet sich die Kongregation in Deutschland schnell aus. Mit Beginn des Kulturkampfes untersagen kirchenfeindliche Gesetze den Schwestern die unterrichtliche Tätigkeit. Alle Verhandlungen Mutter Paulines mit staatlichen Behörden sind vergebens. Von 32 Tätigkeitsfeldern in Deutschland bleiben unserer Kongregation nur sechs. Auch das Mutterhaus wird enteignet. Mutter Pauline verlegt es nach Mont St. Guibert, Belgien. Sie gründet andere Filialen in Belgien, Liechtenstein, Böhmen und 1873 in Nordamerika, 1874 in Chile, Südamerika. Mutter Pauline reist selbst im Jahre 1873 nach Nordamerika, um Tätigkeitsfelder zu erkunden, und 1879/80 besucht sie alle Schwestern in Süd-und Nordamerika und in Europa.

  • Am 30. April 1881 stirbt Mutter Pauline nach kurzer schwerer Krankheit im Mutterhaus zu Paderborn

  • Sr. Mathilde Kothe wird im November 1881 zur Nachfolgerin von Mutter Pauline gewählt. Ihre Hauptsorge gilt der Festigung der Provinzen in Nord- und Südamerika sowie der Niederlassungen in Europa.

  • 1882: Die Kongregation übernimmt Missionsschulen in Dänemark (Horsens 1882), Kolding 1886, Silkeborg 1898)

  • Während des ersten Weltkrieges (1914-1918) können die apostolischen Tätigkeiten beinahe ungehindert durchgeführt werden. Hinzu kommt der Einsatz von Schwestern in einigen Lazaretts.

  • In den 1920igerJahren wird das Leben in Deutschland durch zunehmende Inflation erschwert.

  • 1920 beginnt unserer Tätigkeit im Campo Santo Teutonico, Rom, 1922 in Villa Paolina, Rom

  • Gründung von Provinzen:

  • 1925: Gründung der Tschechoslowakischen Vize-Provinz

  • 1926: Gründung der Deutschen Provinz

  • 1927: Aufteilung der Nord- und der Südamerikanischen Provinzen in die N.A. Westliche und Östliche sowie in die Chilenische und Uruguayisch- Argentinische Provinzen. Die wesentlichen Gründe der Trennung sind die wachsende Anzahl der Schwestern in Nord- und Südamerika und die weiten Entfernungen.

  • 1933-1945 – Nationalsozialismus, Verfolgung der katholischen Kirche, besonders der Priester und Ordensgemeinschaften. Unsere Kongregation verliert: 13 Schulen (Gymnasien, Mittelschulen, Grundschulen), zehn Haushaltungs- und Nähschulen, acht Internatsschulen, elf Kindergärten und Horte, ein Waisenhaus, vier Knabenseminare.

Die Schwestern übernehmen andere Tätigkeiten: Pastorale Dienste und Hilfe in den Pfarreien, ambulante Krankenpflege, Haushaltsführung, besonders in den Konvikten, Dienste in Militärkrankenhäusern.

  • 87 Schwestern werden bis 1938 nach Nord- und Südamerika gesandt.

  • 1935/36 - Verwicklung der Kongregation in die Devisenprozesse. Ziel der nationalsozialistischen Regierung ist, die Ordensgemeinschaften zu beseitigen, wozu die Devisen- und Sittlichkeitsprozesse dienen sollten. Auch unsere Kongregation bleibt nicht davon verschont.

Angeklagt sind Sr. Adalberta Baur, Generalvikarin, Sr. Rupertilla Starke, Provinzverwalterin und Sr. Alfredis Schreiber, Generalverwalterin. Die beiden erstgenannten Schwestern kommen Ende März 1935 in Untersuchungshaft nach Berlin Moabit, wo sie bis November auf das Urteil warten müssen. Sr. Alfredis begann ihre Haft im Januar 1936 in Anrath. Obwohl ein Verstoß gegen die Devisengesetze nicht nachgewiesen werden kann und sich somit der Anklagepunkt als unhaltbar erweist, erfolgte kein Freispruch. Stattdessen wurde den Schwestern Gefängnis- und Geldstrafe auferlegt: für Sr. Adalberta Baur ein Jahr und drei Monaten Gefängnis und 7000 Reichsmark Geldstrafe, für Sr. Rupertilla Starke ein Jahr Gefängnis und 6000 Reichsmark Geldstrafe und für Sr. Alfredis Schreiber neun Monate Gefängnis und 2000 Reichsmark Geldstrafe. Nach Beendigung der Gefängnisstrafe kehren die Schwestern wieder nach Paderborn zurück, bleiben jedoch gezeichnet von den Strapazen, die sie als Strafgefangene erleiden mussten.

  • 27. März 1945 - Zerstörung des Mutterhauses und weiterer Filialen in Paderborn, Magdeburg, Köln, Bonn, Stieldorf, Siegburg, Dortmund, Höxter, Soest.

  • 27. Mai 1945 - vier Schwestern, die nach 1938 in die Tschechoslowakei eingereist waren, müssen das Land innerhalb von 18 Stunden verlassen.

8. November 1945: 35 Schwestern verlassen die Tschechoslowakei, um der Vertreibung der Deutschen zuvorzukommen. Das bedeutet das Ende der tschechoslowakischen Vize-Provinz. Zwei tschechische Schwestern wird die Ausreise verweigert, sie erhalten 1946 die Erlaubnis, nach Italien auszureisen.

  • Nach Beendigung des Krieges beginnt ein langsamer und herausfordernder Wiederaufbau. Die Schwestern übernehmen neue Tätigkeitsfelder oder können frühere wieder aufnehmen.

  • 1955:Das Generalat wird von Paderborn nach Rom verlegt. Hauptgründe: Erfüllung des Wunsches von Mutter Pauline, ein Haus im Zentrum der Kirche zu haben; Wunsch von Pius XII: “Unparteilichkeit ” in der Verwaltung

  • 1962:Erwerb eines Eigentums in Folsom, LA, USA, für Aspirantinnen. Es werden Pläne für die Gründung einer südlichen Region der Westlichen Provinz erwogen.

  • 1968:Gründung einer südlichen Region in Louisiana.

  • 1974:Die südliche Region wird wieder aufgegeben.

  • 1995: Gründung einer Mission für Blinde in Quezon City, Philippinen – die erste Gründung in Asien.

  • 2010: Gründung einer Missionsstation in Puerto Suárez, Bolivien. 2018: Aufgabe der Tätigkeit in Bolivien.

  • Herausforderungen des Loslassens während der letzten Jahre: Älterwerden und Krankheit von Schwestern, Schließung von Konventen, Rückzug von Tätigkeiten, Verkauf von Mutterhäusern, Hurrikan Katrina in New Orleans, Erdbeben in Chile ….

  • 2007: Die Kongregation beginnt einen Rekonfigurationsprozess, der das spirituelle und apostolische Leben umfasst sowie strukturelle Veränderungen in Erwägung zieht. Der Erneuerungsprozess dauert an und steht unter dem Wort Mutter Paulines. „Mutig voran, auch auf holprigen Wegen – Schritt für Schritt.“

Am Anfang waren wir nur vier Frauen, bereit, alles zu riskieren und all unsere Hoffnung auf Jesus Christus zu setzen. Es kommt nicht auf die Anzahl der Schwestern an, obwohl wir wissen, dass die Ernte groß ist. Es kommt auf unser HERZ an, auf unsere Überzeugung, Hoffnung, Barmherzigkeit, auf unseren Glauben. Es kommt auf unsere persönliche Hingabe an, den Weg der Liebe zu gehen, untereinander eins zu sein und zu lieben wie Christus liebt.“ (Aus einer Präsentation junger Schwestern in der NA Östlichen Provinz, die diese Worte Mutter Pauline in den Mund legen)

 

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